Das Netz der Resilienz… – Teil 1

Das Wörtchen „Resilienz“ ist momentan in aller Munde. Aber was ist das überhaupt? Und inwiefern betrifft es uns, mich, Sie? In der heute beginnenden Reihe werde ich versuchen, Ihnen das Konzept der Resilienz näher zu bringen – und Ihnen Übungen und Tipps an die Hand zu geben, wie Sie Ihre persönliche Resilienz stärken können. Das Ziel? Arbeiten – leben – glücklich sein. Punktlandung eben 😉

Beginnen wir zum Einstieg mit einer praktischen Übung: An dieser Stelle möchte ich Sie kurz bitten, sich aus der Küche einen Schwamm zu holen. Er muss nicht neu sein, aber trocken wäre nicht schlecht.

Sind Sie soweit? Dann drücken Sie diesen Schwamm bitte ganz fest. …

Und loslassen. Und noch einmal, fester diesmal. … versuchen Sie ihn richtig platt zu drücken. Geben Sie alles, volle Power! …

Und loslassen. Und jetzt schauen Sie sich den Schwamm noch einmal an. Was fällt Ihnen auf? … Gar nichts? Er sieht genauso aus wie vorher?

Genauso ist es. Er ist nämlich: RESILIENT. Resilienz ist nichts Anderes als die Fähigkeit eines Körpers, nach einer Drucksituation wieder seine ursprüngliche Form zu erlangen.

Das, was Sie gerade mit dem Schwamm gemacht haben, macht das Leben mit uns. Tag für Tag – mal mehr, mal weniger. Auf uns Menschen bezogen bedeutet Resilienz nämlich nichts Anderes als, in schwierigen Situationen – nach Rückschlägen oder schlechten Erfahrungen – wieder aufstehen zu können, nach vorne zu schauen, positiv zu sein.

Stellen Sie sich Resilienz als eine Art Spinnennetz vor (wenn Sie sich nicht gerade vor Spinnen ekeln). Gewoben haben dieses Netz unsere Eltern, unsere Geschwister, später auch unsere Freunde. Je nachdem wie gut sie darin waren, ist das Netz mehr oder weniger stark. Genauer: sind die einzelnen Fäden mehr oder weniger stark.

Dieses Netz ist dafür da, uns durch schwierige Situationen zu tragen. Uns wieder hoch zu federn, damit wir weitermachen können. Dabei kann es passieren, dass sich das Netz an einigen Stellen abnutzt. Dass einzelne Fäden dünn werden, oder gar reißen. Das passiert selten von einem Tag auf den anderen. Es kann das Resultat eines steten Zermürbungs-prozesses sein. Manchmal aber auch von einer einzigen schlimmen Erfahrung. Und plötzlich steht man da, ohne Netz. Und weiß nicht mehr weiter. Und darunter tut sich ein Abgrund auf.

Die gute Nachricht ist aber: wir sind selber die Spinnen. Wir können die einzelnen Fäden reparieren, das Netz flicken, und es stärker machen, als es jemals war. Wir haben es selber in der Hand.

…erklärt an einem Beispiel

Stellen wir uns zunächst einmal folgende Situation vor. Eine Flugbegleiterin soll pünktlich um 6 Uhr morgens zum Dienst erscheinen. Sie musste jedoch die halbe Nacht hinter ihrem Hund her wischen, der schlimmen Dünnflitsch hatte, so dass sie verschlafen hat. Unerwarteter Weise ist die Autobahn auch noch recht voll, und ihr Lieblingsparkplatz ist bereits belegt, so dass sie noch eine Runde im Parkhaus drehen muss. Um 5 Minuten nach 6 (was noch ziemlich gut ist, wie sie findet), rauscht sie in den Vorbereitungsraum. Um festzustellen, dass sie ausgerechnet mit dem Kapitän fliegen soll, mit dem sie schon ein paar Mal aneinandergeraten ist. Und der sie auch prompt anblafft. Gemeinsam sollen sie an diesem Tag nun auch noch nach New York fliegen, um nach einer Übernachtung am nächsten Tag wieder zurückzufliegen. Zu allem Überfluss ist der Flieger auch noch rappelvoll, und sie hat alle Hände voll zu tun. Wie werden die folgenden zwei Tage wohl verlaufen?

Bei den schlechten Vorzeichen wäre es gut möglich, dass die Passagiere unter einer grummeligen, grantigen Stewardess leiden müssen.

UNSERE Stewardess entscheidet sich aber anders. Sie erinnert sich an die bevorstehenden Leistungsbeurteilungen, die für ihr Ziel, Purser zu werden, wichtig sind. Also bemüht sie sich den Passagieren gegenüber um ein Lächeln. Nach kurzer Zeit beginnt ihr die Arbeit tatsächlich wieder Spaß zu machen. Ihr Lächeln wird offener, und sie schafft es so, auch die schwierigsten Situationen mit einem passenden Scherz zu entschärfen. Abends entschuldigt sie sich beim Kapitän noch einmal für die Verspätung und erklärt, wie diese zustande kam. Es stellt sich heraus, dass er auch Hundeliebhaber ist, sie unterhalten sich angeregt, und stellen fest, dass sie noch andere Gemeinsamkeiten haben. Gegen 22 Uhr fällt sie erschöpft, aber glücklich ins Bett, und nimmt sich vor, ihrem Hund keinen Kuchen mehr zu geben.

Wie hat sie das geschafft?

Sie hat sich resilient verhalten. Wie wäre es für Sie, wenn Sie ebenfalls gelassener bleiben könnten, und schwierige Situationen in Ihrem Leben künftig souveräner meistern könnten? Wie würde sich Ihr Wohlbefinden verändern? Wie Ihre Beziehungen? Das Arbeitsklima?

Erfahren Sie mehr – im 2. Teil.

Ihre Katja Michalek

1 Comment

  1. Jörg Unkrig sagt:

    Widerstandskraft ist sehr wichtig. Toller Impuls mit dem Schwamm. Vielen Dank.

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