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Resilienzfaktoren – 2. Teil der Reihe

Im 1. Teil meiner Reihe zum Thema Resilienz habe ich Ihnen „unsere“ resiliente Stewardess vorgestellt.

Heute erkläre ich die einzelnen Faktoren, die Resilienz im Ganzen ausmachen und unserer Stewardess geholfen haben, dennoch einen guten Arbeitstag zu haben.

 

Resilienz besteht aus verschiedenen Faktoren, die gemeinsam das eingangs erwähnte Netz bilden. In der Literatur wird mal von 7, mal von 8 Faktoren gesprochen. Ich halte mich an die 7 Faktoren nach Denis Mourlane.

 

Der erste Faktor, der unserer Stewardess geholfen hat, sich nicht ins Unglück zu stürzen, sondern dennoch einen guten Arbeitstag zu haben, ist der Faktor Impulskontrolle. Unter Impulskontrolle versteht man in diesem Zusammenhang zwei Dinge. Zum einen ist dies die klassische Disziplin, d.h. Dinge zu beenden, die man begonnen hat, oder sich an Absprachen zu halten. Hier könnte man argumentieren, dass sie eben nicht rechtzeitig aufgestanden ist, also undiszipliniert war. Das kann jedoch genauso gut auf den Schlafmangel zurückzuführen sein.

 

Zum anderen bezeichnet Impulskontrolle jedoch auch die Fähigkeit, nicht auf den ersten Impuls zu reagieren. In diesem Fall könnte sie den Impuls gehabt haben, zurück zu pampen, als der Kapitän sie angeblafft hat, was sie aber nicht tat. Auch schwierigen Passagieren gegenüber hat sie die Contenance bewahrt, was auch auf eine gute Impulskontrolle zurückgeführt werden kann.

 

Der zweite Faktor ist die Emotionssteuerung. Das bezeichnet die Fähigkeit, in schwierigen Situationen seine Emotionen so zu steuern, dass sie tatsächlich positiv werden. Hierbei sprechen wir jedoch nicht von Verdrängen von negativen Gefühlen, sondern ein wirkliches Herbeiführen von positiven Emotionen. Unsere Stewardess muss sich zunächst sehr bemühen, freundlich zu sein. Nach kurzer Zeit findet sie jedoch wieder Spaß an ihrer Arbeit, so dass sie nach der schlechten Nacht und dem anstrengenden Tag „erschöpft, aber glücklich“ ins Bett fällt. Außerdem hat sie sich laut der Geschichte ja dazu „entschieden“, nicht grantig zu sein, hat also bewusst versucht, positive Gefühle herzustellen.

 

Die Fähigkeit zur Emotionssteuerung wird oft unterstützt von der Fähigkeit zur Empathie. Empathie bezeichnet man die Fähigkeit, sich in andere Personen hineinzuversetzen, und ihre Gefühle und Beweggründe zu verstehen. Ihre empathischen Fähigkeiten haben ihr z.B. geholfen, auch mit schwierigen Passagieren umzugehen. Andererseits haben sie diese aber auch dazu bewegt, sich noch einmal extra beim Kapitän zu entschuldigen.

 

Zielorientierung ist die Fähigkeit, sich immer wieder neue, herausfordernde, aber realistische Ziele zu setzen und diese zu verfolgen (vgl. Impulskontrolle). Dies erkennt man daran, dass sie sich an ihr Ziel, Purser zu werden, erinnert, und sich entsprechend verhält.

 

Eine weitere wichtige Fähigkeit, über die unserer Stewardess verfügt, ist die der Selbstwirksamkeitsüberzeugung. Damit ist die Einstellung gemeint, dass man selber etwas an seiner Situation verändern kann, und nicht das Opfer seiner Umstände ist. So ist ihr bewusst, dass sie selber mit guten Leistungen eine gute Beurteilung erlangen kann, womit ihre Chancen auf eine Beförderung steigen, und verhält sich dementsprechend.

 

Ein weiterer wichtiger Faktor ist Optimismus, also eine positive Sicht auf die Dinge. Obwohl sie zu spät zum Dienst kam, und schon mehrfach mit dem Kapitän angeeckt war, scheint sie sich Hoffnung auf eine Beförderung zu machen, wenn sie gute Leistungen erbringt. Ein pessimistischer Mensch würde daran eher zweifeln und glauben, dass alle Chancen vertan sind.

 

Zu guter Letzt hat unserer Stewardess ihre Fähigkeit zur Kausalanalyse geholfen. Hierunter versteht man die Fähigkeit, den Dingen auf den wahren Grund zu gehen und auch selbstkritisch sein eigenes Zutun zu analysieren. In diesem Fall hat sie erkannt, dass sie ihrem Hund offenbar das Falsche zu Essen gegeben hat, was zu dem Durchfall führte, und sich vorgenommen, das in Zukunft zu ändern (vgl. Selbstwirksamkeitsüberzeugung).

 

Unsere Resilienz stärken

 

Nun haben wir verstanden, worum es bei Resilienz geht. Der Eine oder die Andere hat bestimmt auch schon eine Idee, in welchen Bereichen er oder sie gut abschneiden, und wo es eher, sagen wir mal, suboptimal ist.

 

Im dritten Teil unserer Reihe wollen wir uns daranmachen, die einzelnen Fähigkeiten gezielt zu stärken – soweit das überhaupt geht. Die verschiedenen Faktoren sind nämlich zum Teil so miteinander verwoben, dass man nicht den einen Faktor stärken kann, ohne auch den anderen zu stützen. Was ja irgendwie auch ganz praktisch ist..

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