lügen im vorstellungsgespräch

Lügen im Vorstellungsgespräch – okay oder ein No-Go?

 

Wie war das noch – ich kann allem widerstehen, nur nicht der Versuchung?

 

Bewerber müssen manchmal einer Versuchung ganz eigener Art widerstehen, nämlich der, im Vorstellungsgespräch zu, naja, nennen wir es einmal flunkern.

 

Immer wieder diskutiere ich mit meinen Klienten darüber. Wie rücke ich eine Lücke oder einen grauen Fleck im Lebenslauf ins rechte Licht? Wie ehrlich muss ich sein? Und wie sollten meine Interviewpartner überhaupt dahinterkommen, dass meine Aussage nicht ganz der Wahrheit entspricht?

 

Ich habe letzte Tage noch mit einem Klienten über genau dieses Thema diskutiert. Wir waren dabei, ein Telefoninterview zu üben, und er zählte die einzelnen Stationen seines Lebenslaufs auf (nicht der richtige Weg, um auf die Aufforderung, „erzählen Sie mal was sich“ zu antworten. Eine bessere Idee zeige ich Ihnen beim nächsten Mal). Und dabei habe ich ihn direkt bei zwei (!) Lügen ertappt.

 

Die erste Lüge tischte er mir auf, als es um die Wechselmotivation von einer zur anderen Firma vor einigen Jahren ging. Er behauptete, dass er ein besseres Angebot erhalten habe. Ich kannte zwar den wahren Grund ohnehin schon, aber es war auch zu offensichtlich, dass das nicht stimmen konnte – zwischen den beiden Stellen lag ein ganzes Jahr! Sehr unglücklich…

 

Dann ging es um die Motivation, von seiner derzeitigen Position weg wechseln zu wollen. Seine Begründung war, dass die Firma dabei war umzustrukturieren (soweit korrekt), und dass er proaktiv sein wolle, ehe er betroffen sei (soweit falsch). Tatsächlich hatte er nämlich bereits die Kündigung erhalten, und es waren noch knapp vier Monate bis zu seinem Austritt.

 

Warum nun hat er gelogen, und warum ist das schlimm?

 

Nun ja, seine Idee war eigentlich gar nicht so schlecht – er wollte sich nicht als Opfer darstellen, sondern eine positive, nach vorne gerichtete und positive Haltung präsentieren (darauf, wie Sie Ihre Wechselmotivation besser erklären können, gehe ich in einem späteren Artikel ein). Sein Plan war auch ausgeklügelt – sein mögliches Startdatum in drei Monaten wollte er mit einer ebenso langen Kündigungsfrist begründen, obwohl das Austrittsdatum ohnehin feststand.

 

Und was ist daran so schlimm? Nun ja – solche Lügen, vor allem die letzte, können einem schnell vor die Füße fallen. Sie wissen nie, wen Ihr Gegenüber kennt – vielleicht sind er und Ihr alter Chef Tennispartner, oder er trifft einen Ihrer ehemaligen Kollegen mal bei einer Netzwerkveranstaltung. Und mit einer Lüge in ein neues Arbeitsverhältnis zu starten, kommt nie gut. Das Vertrauensverhältnis ist dann schnell hinüber, und Ihr neuer Arbeitgeber wird sich wahrscheinlich fragen, was Sie noch zu verbergen haben. Also keine gute Idee.

 

Grundsätzlich sollten Sie im Vorstellungsgespräch natürlich versuchen, einen positiven Eindruck zu machen und zu vermitteln, „hey, auch mir gehen mal Dinge schief – aber ich sehe das Positive darin und versuche, daran zu wachsen“. Natürlich sollten Sie nicht jammern, wie schrecklich der Jobverlust nach x Jahren für Sie ist, und wie ungerecht das Leben generell ist. Aber auf Teufel-komm-raus alles ins rosarote Licht zu tauchen versuchen und so zu tun, als ob Sie jederzeit und vollständig Herr (oder Frau) Ihrer eigenen Lage wären, ist auch nicht der richtige Weg.

 

Denken Sie dran: wenn das Leben Ihnen Zitronen serviert, machen Sie Limonade draus. Aber tun Sie nicht so, als ob Ihr Leben nur aus Limonade besteht, wenn es nicht so ist. Bleiben Sie vor allem eins: authentisch.

 

In diesem Sinne: einen wundertollen Tag wünscht

Katja Michalek

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